, Markku Virtanen

Düstere Herbststimmung am Zürichsee

Zum Ende der Zürcher Herbstferien stand für das Herren 1 Team der Lions die dritte Meisterschaftsrunde der Saison 25/26 an.

Mein voller Terminkalender lässt momentan nicht viel Spielraum für Ausflüge, doch für einen Abstecher nach Meilen in die Allmend war am gestrigen Samstag doch genug Zeit übrig. Da ich die zweite Runde nur im Livestream auf meinem Anwesen in Pelkosenniemi verfolgen konnte, war es meine Pflicht, beim dritten Spiel der Löwen wieder dabei zu sein. Mit viel Vorfreude betrat ich kurz vor 14:30 Uhr die alte Turnhalle in der Allmend und schnappte mir gleich mal ein kühles Valaisanne. Obwohl der Saisonstart der Löwen noch nicht so erfolgreich war, war die Stimmung in der Halle positiv. "Ah schau, Grüezi Markku", begrüsste mich der Präsident stets freundlich. "Heute holen wir die ersten Punkte", frohlockte er, "ja, das hoffe ich auch!", pflichtete ich ihm bei.
 
Ich platzierte mich auf der Nordseite der Halle, oberhalb der Gäste-Bank. Der Gegner der Lions war United Bassersdorf Nürensdorf, der Aufsteiger aus der 4.Liga. Doch diese legten sofort los wie die Feuerwehr und führten bereits nach knapp fünf Minuten mit 2 Längen. Auweia, was geht denn hier ab, fragte ich mich. Doch auch die Einheimischen fanden dann in die Partie und kamen genauso zu Chancen wie die Gäste aus dem Zürcher Unterland. Sogar zu guten Chancen, doch noch wollte der kleine weisse Kobold nicht in den gegnerischen Maschen einschlagen. Was mich aber doch sehr überraschte war, ich konnte auf beiden Seiten kein Spielsystem erkennen. Es war ein munteres Hin und Her und von anfänglichem Abtasten war keine Spur, aber für Unterhaltung war definitiv gesorgt! Drei Minuten vor der Pause durfte ich dann endlich ein erstes Mal jubeln, Meilens Spielertrainer Rüegg höchstpersönlich war für den Anschlusstreffer verantwortlich. Gut gemacht! Leider mussten die Lions aber noch vor der Pause einen Rückschlag hinnehmen, und zwar in der Form des 1:3. Dann war erstmal Pause und ich atmete draussen etwas durch. An diesem schönen Herbsttag wünschte ich mir nun nichts mehr, als erste Punkte für die Löwen. 
 
"Markku, du bringst noch kein Glück!", empfing mich der Präsident nach der ersten Pause, als ich mein zweites Valaisanne kaufte. "Kommt schon noch!", hoffte ich. Erneute platzierte ich mich im Norden der Halle, im südlichen Teil war etwas viel los, was dann nicht so meins ist. Aber auch im nördlichen Teil der Allmend erfreute ich mich sofort ab dem Start des Heimteams im zweiten Drittel. Nach nur fünf Minuten war die Partie ausgeglichen, wobei das 3:3 echt sehenswert war. Es wurde vom grossen Blonden mit dem Haarband geschossen, er scheint mir so etwas wie der Star des Teams zu sein. Die Ereignisse überschlugen sich danach regelrecht und ich kann das hier gar nicht alles runterschreiben, sonst gehen mir die Zeichen aus. Auf jeden Fall stand es zur Spielmitte plötzlich 5:5 und auf beiden Seiten gab es bereits je eine Strafe zu vermelden. Und dann kam es so, wie ich es nach vier Minuten in diesem Spiel nicht erwartet hatte. Die Lions gingen in Führung! Das erste Mal in dieser Saison! Niin hyvä! Klar, die Gäste aus Bassersdorf hatten sich in den letzten Minuten etwas zurückgezogen, doch Meilen machte das auch einfach clever. Der zweite Spielertrainer neben Rüegg und der 13ner sorgten für eine plötzliche und nicht unverdiente Zwei-Tore-Führung. Hulluutta! 7:5 nach 40 Minuten, ich kam definitiv auf meine Kosten und hatte schon viel mehr Freude an dem Ganzen als vor einem Monat in Kloten. 
 
In der zweiten Pause gab es für mich noch einen Hot-Dog vom Kiosk, denn der Geschmack des eingebrannten Wurstwassers hing dominant in der Luft der alten Turnhalle, so dass man nicht daran vorbei kam. Ein Valaisanne wurde mir dann aber tatsächlich verwehrt: "Haben wir nicht mehr.", verkündete man mir kühl. Na dann gabs nun hald ein Feldschlösschen, verrückt was die hier in Meilen für eine Biervielfalt an den Tag zaubern. Mit Hot-Dog und Feldschlösschen bewaffnet, stellte ich mich für das 3.Drittel auf Höhe Mittellinie und erfreute mich darüber, dass es für UBN sogleich eine Strafe absetzte. Und was machte Meilen? Den Deckel drauf! 8:5 durch die Nummer 13! So was von stark, und da brüllte er auf dem Feld unten den ganzen Frust raus. Doch der Frust kam gleich darauf wieder zurück. Innert zwei Minuten kam Bassersdorf wieder auf ein Tor heran, bevor Meilen dann sein Neuntes erzielte. Ich staunte nur noch. Nicht einmal in unserem Nationalsport, dem Pesäpallo, gibt es so viele Punkte zu verzeichnen wie am gestrigen Samstagnachmittag beim Salibandy. Meilen hatte dann aber sogleich eine Antwort parat und verlängerte auf 9:7. Aber auch Bassersdorf schlief nicht und stellte das Score nur eine Minute später auf 9:8. Was war hier los an diesem Nachmittag? Den Zürcher Unterländern ging danach etwas die Kraft aus und sie drückten nicht mehr gleich nach vorne, wie zu Beginn des Drittels. Daher war ich ganz überrascht, dass nun plötzlich das Heimteam ihr Time-Out zog und dem Starblock der Gäste eine gratis Verschnaufpause gönnte. Denn ganz ehrlich, ohne diesem einen Block wären bei Bassersdorf nie so viele Tore möglich gewesen. Und genau dieser Block war dann ein paar Minuten später für den 9:9 Ausgleich verantwortlich. Zum neunten Mal zappelte der weisse Kobold hinter dem Meilemer Torhüter, der mein Mitleid in diesem Spiel schon lange verdiente. Ja und was soll ich sagen, es kam wie es kommen musste. Die blau gekleideten Gäste trafen auch noch zum zehnten Mal und nahmen den Deckel vom Meilenermer Topf wieder runter und setzten ihn auf den ihren. Ich und alle Anhänger der Löwen waren am Boden zerstört, wie konnte das passieren?
 
Kurz vor dem Schlusspfiff schlich ich mich nach draussen und hoffte, nicht vom Präsidenten entdeckt zu werden. Sonst gibt der noch mir die Schuld, da ich ja scheinbar wirklich kein Glücksbringer bin. Und so glänzte dieser Herbsttag am Schluss gar nicht so fest, wie es das Wetter vermuten liess. Schade Lions, doch ich hoffe sehr, ihr steht wieder auf und kämpft weiter. Sobald mein nächstes Seminar ansteht, schaue ich wieder vorbei und hoffe dann, wirklich über drei Punkte jubeln zu können. 
 
Nähdään Meilen.