, Markku Virtanen

Sommerloch? Nicht doch

Der Monat Juni ist ja eigentlich als Sport-Sommerloch bekannt. Im Eishockey, im Fussball, im Handball und auch im Unihockey sind die Saisons beendet. Ein Glück gibt es den Mobiliar Unihockey Cup.

Oh du schöner heisser Juni. Ein Monat, während welchem ich mich gerne in den finnischen Wäldern rund um Pelkosenniemi entspanne und meine Zeit mit Stippangeln verbringe. Immerhin wären am gestrigen Sonntag in den lappländischen Wäldern angenehme 15 Grad gewesen. Doch da ich am kommenden Mittwoch sowieso in Luzern zu Gast sein werde, wenn die finnische Frauen-Fussballnationalmannschaft ins EM-Abenteuer startet, weile ich bereits seit ein paar Tagen wieder einmal in der schönen Schweiz. Und das genau im Juni, dem Monat in dem sportlich doch eigentlich nichts los ist, könnte man meinen.
 
Ich habe mich in den letzten Tagen vom Gegenteil überzeugt und war bereits am letzten Sonntag in Beckenried zu Gast, als die Tour de Suisse in der schönen Zentralschweiz zu Ende gegangen ist. Da sich mein Juli ab Mittwoch dann intensiv um den Fussball dreht, wurde ich für das vergangene Wochenende von Gigi Trazza ans Grümpi des FC Meilen eingeladen. Doch ich muss ehrlich gestehen, Fussball sehe ich wirklich noch genug in den nächsten Tagen, und auf dem Sportplatz war es mir viel zu heiss. Ich sehnte mich nach einer Abkühlung im Mairipudas, unserem Hausfluss bei Pelkosenniemi. So kam es mir gerade recht, dass am späteren Nachmittag in einer der Hallen auf dem Sportplatz Meilen ein Unihockeyspiel stattfand.
 
Als gebürtiger Finne bin ich sowieso ein grosser Salibandy-Fan und so zog es mich an den Schatten. Nach kurzer Konsultation von ein paar Zuschauern wusste ich, der einheimische UHC Lions Meilen Uetikon misst sich hier mit dem 1.Liga Verein aus Bassersdorf und Nürensdorf im 1/64-Final des Mobiliar Unihockey Cup. Zwei Ligen Unterschied sollen zwischen den beiden Teams sein, davon merkte ich zu Beginn aber nichts. Ein junges Team in schwarz-gelben Shirts wehrte sich wacker gegen die hellblau gekleideten Gäste. Immerhin erinnerten mich die Shirts des 1.Ligisten an das kühle Nass des Mairipudas. Irgendwie und nur vielleicht durch kleine Eigenfehler des Heimteams führten die Gäste in der ersten Pause dann doch mit 2:0. Als ich mich in der Pause auf einen Spaziergang durch die Halle begab, stellte ich erfreut fest, dass der heimische Verein auf der Gegenseite meines ursprünglichen Eintreffens sogar eine Festwirtschaft aufgebaut hatte. Mit Eiswürfeln in einer Plastikkiste wurden die Getränke kühl gehalten und auf dem Grill wurden heimische Würste grilliert. Das ist noch Lokalsport, wie es ihn in Pelkosenniemi leider nicht mehr gibt. Doch ich war kaum mit dem Präsidenten der Lions ins Gespräch gekommen, da bewegte sich die Trube schon wieder in die Halle. 
 
Vom Fussball bin ich mir 15 Minuten Pause gewohnt, doch scheinbar brauchen die tapferen Pelaaja hier nur 10 Minuten. In der Halle war es nun gar nicht mehr so kühl wie ich es zu Beginn wahr genommen hatte, doch das kühle Valaisanne machte die Hitze erträglich. Wallisser Bier am Zürichsee? Da muss ich wahrscheinlich nochmals zurück kommen, um die Gründe dafür zu erfahren. Der 1.Ligist erhöhte anschliessend das Tempo und zog auf 4:0 davon. Doch das wakere Heimteam gab sich nicht geschlagen und durfte sich bis zur zweiten Pause zwei Mal über einen Torerfolg freuen. "Jetzt jubelt er noch", sagte man mir, als die Nummer 13 von Meilen Uetikon sein Tor bejubelte. Ich verstand noch nicht. 
 
Beim Stand von 5:2 für die blau Gekleideten gönnte ich mir in der zweiten Pause ein von den Eiswürfeln gekühltes Schoko-Stängeli. Bezahlen konnte man mit Twint, ich war begeistert. "Wir müssen das lokale eben erhalten, wir sind nur ein Dorfverein", sagte mir der Präsident bei unserem zweiten Valaisanne. Aber die Ambitionen seien schon da, schliesslich habe man nun bereits zum zweiten Mal innert drei Jahren an den Aufstiegsspielen teilgenommen. In Finnland sagen wir Jatkopelit.
 
Im dritten Drittel zementierten die Blauen ihre Führung und erzielten weitere Tore. Doch den heimischen Anhang irritierte das keineswegs, "schüüssed no es Goool" dröhnte es Mehrfach von der Tribüne. Vier Minuten nach der zweiten Pause wurde das dann aber noch schwieriger, als es onehin schon war. Ein Lions Spieler musste auf die Strafbank. "Das ist unser Neuer", sagte man mir über die Nummer 15, "Er könnte ein Gamechanger werden". Da bin ich mal gespannt, er "changte" sich dann zuerst mal auf die Strafbank als sonst wo hin. Und zehn Minuten vor dem Ende machte es ihm die Nummer 13 gleich, man erinnerte mich: "Siehst du Markku, ich habe es dir doch gesagt, vorher hat er noch gejubelt". Das Heimteam durfte sich dann auch noch im Powerplay versuchen, bevor die sich die Nummer 13 erneut ein "2er" holte, "Jedes Mal das Gleiche!" schnaubte es neben mir. Das Spiel kam kurz danach zu einem Ende und das tapfere Heimteam unterlag dem Favoriten mit 8:2 relativ klar, trotzdem machte mir dieses Team einen sehr guten und engagierten Eindruck. Vor allem überzeugten mich die vielen jungen Spieler die zum Einsatz kamen. Bei uns in Finnland wären die noch bei den Juniorit. Aber hier am Zürichsee, scheint man diese aktiv zu fördern, toll. 
 
So endete der Ausflug in Meilen für mich am frühen Sonntagabend. Auf meinem Heimweg ins Hotel kaufte ich mir noch eine heimische Wurst am Stand der Lions und verabschiedete mich von den Paikalliset. Spannend, was es im sportlichen Sommerloch Juni regional doch noch so zu sehen gibt. Sobald ich im Herbst wieder in der Schweiz weile, werde ich mir Zeit nehmen, die Lions erneut zu unterstützen. Vielleicht erfahre ich dann noch mehr über die Gründe des Wallisser Biers in Meilen, die grossen Ziele des Vereins, den Gamechanger mit der Nummer 15 oder was es mit den Strafen und der Nummer 13 auf sich hat. Der gestrige Ausflug hat sich auf jeden Fall schon mal gelohnt und Lust auf mehr gemacht. 
 
Nähdään Meilen.